Auf ein Wort

forsa-Umfrage zeigt: Gymnasium soll Leistung fordern!

Susanne Lin-Klitzing
Foto: DPhV/Marlene Gawrisch

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

der Deutsche Philologenverband hat eine forsa-Umfrage in Auftrag gegeben. Diese repräsentative Umfrage zu „Meinungen zum Gymnasium“ wurde vom 1.- 6. Oktober 2025 durchgeführt. Die Ergebnisse sind sehr interessant, denn die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich für ihre Kinder leistungsorientierte Übergangsentscheidungen von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen. Auf die Frage, ob die Wahl der weiterführenden Schule ausschließlich vom Elternwillen abhängen solle, sprechen sich mehr als neun von zehn (92 Prozent) Befragten dagegen aus – neben den Wünschen der Eltern sollten auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sowie die fachliche Einschätzung der Lehrkräfte berücksichtigt werden. Das macht klar: der Elternwille steht bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht über dem Leistungsgedanken. Nennenswerte Unterschiede nach Region, Alter, Geschlecht, Bildung oder Kindern im Haushalt zeigen sich nicht.

Die forsa-Umfrage greift damit eine Dauerdebatte auf: Während die Bildungspolitik in den meisten Bundesländern eine verbindliche, leistungsorientierte Schulartempfehlung ablehnt und den Leistungsgedanken vernachlässigt, wünscht sich die Bevölkerung das Gegenteil. Sie will mit überwältigender Mehrheit eine Orientierung an der Leistung der Kinder bei der Übergangsentscheidung von der Grundschule an das Gymnasium oder andere weiterführende Schularten. Auch die Expertise der Lehrkräfte sollte dabei wieder eine wesentliche Rolle spielen. Wir als Philologenverband sehen uns in einer unserer zentralen Forderungen bestärkt und treten auch deshalb weiter überzeugt für eine verbindliche leistungsorientierte Übergangsempfehlung ein und erwarten von den Bildungspolitikerinnen und -politikern, hier endlich umzusteuern!

Wie wichtig der breiten Bevölkerung der Leistungsgedanke ist, zeigt sich auch bei weiteren Fragen der forsa-Umfrage. Die große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist der Meinung, dass die Leistungsanforderungen an Schülerinnen und Schüler am Gymnasium so hoch sein sollten, dass sie auf ein Hochschulstudium vorbereiten.

Das Gymnasium gilt also nach wie vor als die vorbereitende Schulart für das Studium. Es wird in der Bevölkerung als Vermittler allgemeiner Bildung und als Sprungbrett für akademische Leistung angesehen! Die forsa-Umfrage zeigt außerdem klar, dass etwa zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) die bestandene Abiturprüfung weiterhin als die entscheidende Voraussetzung für die Aufnahme eines Hochschulstudiums befürworten.

Die forsa-Umfrageergebnisse zeigen deutlich: Die Mehrheit der Bevölkerung will eine stärkere schulische Leistungsorientierung. Den Leistungsgedanken in Frage zu stellen, ist also aus Sicht der Bevölkerung der falsche Schluss. Was allerdings in Frage gestellt werden muss, sind viele inhaltlich im Anspruch verflachte bildungspolitische Entscheidungen der letzten 25 Jahre. Das darf so nicht weitergehen!

Wir lassen allen Bildungsministerinnen und -ministern und den Ministerpräsidenten der Länder die Ergebnisse dieser Umfrage noch einmal individuell zugehen – damit sie mit uns besorgniserregenden Senkungen von Leistungsansprüchen auf allen Ebenen entgegentreten. Konkrete Vorschläge dazu haben wir genug!

Mit herzlichen Grüßen!

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

Anzeigen

Anzeigen