Auf ein Wort2018-12-21T07:50:45+00:00
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PROFIL, das Mitgliedermagazin des Deutschen Philologenverbandes, erscheint zehnmal jährlich in einer IVW-geprüften Auflage von mehr als 54.000 Exemplaren pro Ausgabe im gesamten Bundesgebiet.

Gute Gründe für Profil

Auf ein Wort

Stärkung der Schulpraxis am richtigen Ort!

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

für unsere Schülerinnen und Schüler am Gymnasium wird sie zunehmend gefordert: die Berufsorientierung, häufig als Synonym für Berufspraxis verstanden! Für die zukünftigen Lehrkräfte und für ihre Lehrerbildner wird sie zunehmend verringert: die Berufspraxis in der Schule – verkehrte Welt!

Bologna und die Folgen

Seit der Bologna-Reform und der Umstellung vieler Studiengänge auf Bachelor und Master, deren Ziel ausdrücklich die Polyvalenz und nicht die Bildung für einen bestimmten Beruf ist, wird in vielen Bundesländern die Dauer des Vorbereitungsdienstes verkürzt und zudem das Schulpraxis-Erfordernis bei den erziehungswissenschaftlichen Professuren für das pädagogische Begleitstudium und für die Fachdidaktiken an den Universitäten aufgeweicht. Das Vorhaben, zum Jahre 2010 das erste Staatsexamen in allen Bundesländern zugunsten eines Masterabschlusses abzuschaffen, ist glücklicherweise gescheitert: Auch 2018 schließen Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Sachsen und Thüringen (hier die Universität Jena) das universitäre Lehramtsstudium mit dem ersten Staatsexamen ab. Der Vorbereitungsdienst in der zweiten Phase wird in jedem Land mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen.

Im Zuge der Bologna-Reform erfolgte für die zweite Phase leider eine fast durchgängige Kürzung des Vorbereitungsdienstes von ursprünglich 24 Monaten für das höhere Lehramt auf 21 Monate (Hessen), 16 Monate (Sachsen-Anhalt) und zukünftig auf beklagenswerte 12 Monate in Brandenburg. Die anderen Bundesländer gewähren 18 Monate, ausschließlich Bayern ermöglicht den Referendaren erfreulicherweise noch den 24-monatigen Vorbereitungsdienst. Im Gegenzug wurde jedoch die Regelstudienzeit für alle Lehrämter in den Bundesländern, die auf Bachelor/Master umstellten, auf zehn Semester erhöht. Es erfolgte also eine Kürzung der schulpraktischen Ausbildung zugunsten der hochschulischen Lehrerbildung.

Für erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Professuren, die mit Aufgaben der Lehrerbildung verknüpft sind, müssen in der Regel sowohl die entsprechenden akademischen Qualifikationen als auch zusätzlich die einer mehrjährigen Schulpraxis vorliegen. Fünf der sechzehn Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen und das Saarland) nennen mittlerweile jedoch explizit einen möglichen Ersatz der Schulpraxis durch beispielsweise »eine den Aufgaben entsprechende Erfahrung in der empirischen Forschung« (vgl. Niedersächsisches Hochschulgesetz vom 11. Juli 2016). Nordrhein-Westfalen verzichtet sogar ganz auf das Erfordernis der Schulpraxis! Alle anderen Bundesländer verlangen eine dreijährige Schulpraxis, die in der konkreten Anwendung jedoch häufig aufgeweicht wird.

Der Lehrerberuf ist eine Profession

Der Lehrerberuf ist jedoch eine genuine Profession, so wie es die Medizin, die Jurisprudenz und ebenso die Theologie ist. Sollen zukünftige Ärzte, Richter und Rechtsanwälte, Pfarrer und Lehrer an der Universität in jeder ihrer Subdisziplinen ausschließlich von Professoren unterrichtet werden, die selbst nie als Ärzte, Richter, Rechtsanwälte, Pfarrer oder Lehrer tätig waren? Nein! U.a. die Wahrnehmung und Reflexion ihrer Erziehungs- und Bildungsaufgaben in der eigenen verantwortlichen Schulpraxis macht doch Schulpädagogen und Fachdidaktiker an der Universität über ihre fachliche Expertise hinaus zum hilfreichen und notwendigen Gesprächspartner und Experten auf dem Weg zur Berufsfindung der Lehramtsstudierenden.

Der Deutsche Philologenverband tritt dementsprechend nach wie vor für das Schul- praxiserfordernis der Lehrerbildner an der Universität sowie für die Beibehaltung bzw. Rückkehr zum 24-monatigen Vorbereitungsdienst ein!

Ihnen allen, liebe Kollegen und Kolleginnen, wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Ausklang des Jahres!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

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