Auf ein Wort

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Auf ein Wort 2018-06-13T12:39:14+00:00
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PROFIL, das Mitgliedermagazin des Deutschen Philologenverbandes, erscheint zehnmal jährlich in einer IVW-geprüften Auflage von mehr als 54.000 Exemplaren pro Ausgabe im gesamten Bundesgebiet.

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Auf ein Wort

Die Rolle des Abiturs bei der Zulassung zum Medizinstudium: Auf welche Regelungen wird sich die Kultusministerkonferenz am 14./15. Juni einigen?

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

ich bin guter Hoffnung, dass sich die Kultusminister und -ministerinnen nicht (!) auf das Modell des Medizinischen Fakultätentags (MFT) und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) einigen werden, mit dem die Zulassung zum Medizinstudium über die Abiturbestenquote abgeschafft werden soll. Angesichts der unbestrittenen, besten Aussagefähigkeit aller bisher bekannten Faktoren über den Zusammenhang gerade zwischen Abiturnote und Studienerfolg wäre es absurd, gerade auf das empirisch am stärksten abgesicherte Kriterium der Vorab-Abiturbestenquote zu verzichten! Das hart erarbeitete Abitur muss sich originär gerade für den Studienzugang für unsere Schülerinnen und Schüler doch lohnen! Wie sich die weitere Verteilung zusammensetzt, darüber lohnt es sich eher, im Detail zu streiten:

Der Vorschlag des Deutschen Philologenverbands besteht darin, die Abiturbestenquote von zuvor zwanzig Prozent der besten Abiturienten auf dreißig Prozent zu erhöhen. Bei den übrigen siebzig Prozent besteht Spielraum: Wir sprechen uns hier unter Berücksichtigung der vom Bundesverfassungsgericht im Dezember 2017 beschriebenen Monita für die Vergabe der weiteren siebzig Prozent dafür aus, die Abiturdurchschnittsnote mit zwei Fünftel einzubeziehen und mit drei Fünftel sowohl einen standardisierten, bundesweit vergleichbaren Test und – stärker als zuvor – die medizinische Vorerfahrung zu berücksichtigen. Denn genau das hatte das Bundesverfassungsgericht gefordert: Weitere Faktoren sollten ein erhebliches Gewicht gegenüber der Abiturdurchschnittsnote aufweisen. Infragegestellt hatten die Richter des höchsten Gerichts die nicht standardisierten Tests und Auswahlverfahren der Hochschulen, die Begrenzung der Ortswünsche und die Länge der Wartezeit. Diese Dinge müssen also verändert werden. Die Universitäten müssen prüfen, ob sie selbst zusätzlich weitere solide Auswahlverfahren in diese zweite Zulassungsquote integrieren wollen und können.

Einig ist sich der Deutsche Philologenverband mit vielen anderen, die Wartezeitquote abzuschaffen. In der Tat schwierig zu lösen ist allerdings das aktuelle Problem der auf einen Studienzugang Wartenden, bevor ggf. die neue Regelung greift. Hier gilt es einerseits sachgerechte, an der alten und neuen Zugangsregelung orientierte Verfahren, und andererseits behutsame, den Einzelfall bedenkende Lösungen zu finden.

Wenn in diesem Zusammenhang auch an einer Verbesserung der Vergleichbarkeit der Abiturdurchschnittsnoten in und zwischen den Ländern durch die KMK gearbeitet wird, freuen wir uns, denn konkrete Vorschläge des Deutschen Philologenverbands dazu liegen längst auf dem Tisch und warten auf ihre Umsetzung.

Ob die KMK und die Länder einen Schritt weiterkommen? Schauen wir mit Spannung auf das Ergebnis der nächsten Kultusministerkonferenz in Erfurt zur Rolle ‘unseres’ Abiturs bei der Zulassung zum Medizinstudium!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

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