Auf ein Wort

Die KMK kreißt… und gebiert einen Bildungsstaatsvertrag?

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kollegen,

die Kultusministerkonferenz tagt jetzt im Oktober zu ihrer Herbstsitzung. Auf dem Programm stehen neben dem Austausch der Kultusministerinnen und Kultusminister zur Corona-Krise unter anderem Beschlüsse für die deutschen Lehrkräfte im Ausland, zur Europabildung und vor allem Beratungen zum ‘Bildungsstaatsvertrag’ bzw. zur ‘Ländervereinbarung’ an. Vielleicht kommt es zu einer diesbezüglich abschließenden Empfehlung, da die Zeit drängt, um dem Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 19. Dezember 2017 zur Vergabe der Medizinstudienplätze gerecht zu werden.

Sie erinnern sich: Der Deutsche Philologenverband war hier besonders erfolgreich, weil sich unsere Forderung nach Beibehaltung bzw. Steigerung der Abiturbestenquote auf dreißig Prozent erfreulicherweise in der KMK durchgesetzt hatte. Für die weiteren Vergabeverfahren der Universitäten zum Medizin-Studiengang sollte die KMK nun allerdings eine stärkere Vergleichbarkeit der Länderabiture vereinbaren – was für den Philologenverband immer nur heißen kann: Mehr Vergleichbarkeit auf höherem Niveau. Ob das tatsächlich nun entweder durch den anstehenden Bildungsstaatsvertrag oder die Ländervereinbarung oder weitere Beschlüsse die KMK gewährleistet werden wird, daran dürften durchaus Zweifel bestehen. Der Deutsche Philologenverband drängt darauf, dass Folgendes dort festgeschrieben werden sollte:

• die allgemeine Studierfähigkeit, die Wissenschaftspropädeutik und die vertiefte Allgemeinbildung als selbstverständliche Ziele für die Gymnasiale Oberstufe der allgemeinbildenden Schulen;

• die stärkere Vergleichbarkeit der Länderabiture auf höherem Niveau durch eine höhere einzubringende Anzahl von Oberstufenkursen, nämlich von mindestens 36 bis 40 Kursen;

• ein höheres Niveau durch eine geringere Anzahl von Kursen unter fünf Punkten, nämlich maximal zehn Prozent;

• das ‘Beurteilen’, die Notengebung, als eine der wesentlichen Aufgaben der Lehrkräfte, um die Allokationsfunktion der Schule zu gewährleisten, die sich nicht zu einer ‘Betreuungsinstitution’ entwickeln sollte;

• ein qualifiziertes Übergangsverfahren von der Grundschule an die weiterführenden Schulen;

• verbindliche Vorgaben für die Nachqualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern, nämlich sowohl eine universitäre als auch pädagogische Nachqualifikation, so dass kein Quer- oder Seiteneinsteiger ohne diese parallele Nachqualifikation unterrichten darf;

• eine Verpflichtung der Länder, bedarfsgerecht (mit einer Zielgröße von 130 Prozent Unterrichtsversorgung) einzustellen und nicht nur eine bessere länderübergreifende Lehrkräftebedarfsplanung und -abstimmung;

• mindestens 18 Monate, besser 24 Monate Vorbereitungsdienst, da der Qualitätsverlust für die lebenslange Lehrertätigkeit durch ein bewusstes Schrumpfen des Vorbereitungsdienstes in manchen Ländern für ein unnötig immer längeres Studium immens ist.

Ob sich diese Anliegen durchsetzen lassen, hängt davon ab, welche Ministerinteressen sich beim Bildungsstaatsvertrag bzw. bei der Ländervereinbarung durchsetzen werden: eher die eines kreißenden Berges, der eine Maus gebiert, oder die einer qualitätsbewussten Kultusministerkonferenz, die diese essentiellen Punkte berücksichtigt. Ich hoffe in unser aller Interesse sehr, dass die KMK zu einem Bekenntnis zu Leistung, Qualität und Sicherung der allgemeinen Studierfähigkeit in der Lage ist.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre
Susanne Lin-Klitzing

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