Auf ein Wort

DPhV für höhere Eingangsbesoldung der Gymnasiallehrkräfte!

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

hoch geht es momentan her in der Debatte um eine gleiche Eingangsbesoldung von Grundschul- und Gymnasiallehrkräften. Prof. Dr. Alexander Lorz (Hessen) hat als amtierender KMK-Präsident für Zurückhaltung in dieser Frage und ein bundesweit einheitliches Vorgehen plädiert. Hessen bildet seine Lehrkräfte nach wie vor mit Staatsexamen aus, wie auch Bayern, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Universität Jena). Die Mehrheit der Bundesländer, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen, besoldet die Grundschullehrkräfte im Eingangsamt nach A 12; einige besolden sie nach E 13 bzw. A 13, zum Beispiel Berlin, Brandenburg, Sachsen; andere haben dies für die Zukunft so festgeschrieben, wie beispielsweise Schleswig-Holstein und Hamburg.

Aus Sicht des Deutschen Philologenverbandes werden mit dieser Debatte keine weiterführenden Lösungsoptionen für die derzeitigen Probleme im Schulbereich aufgezeigt: die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der neuen Schulart Gemeinschaftsschule (s. jüngste Allensbach-Studie, S. 28); die mangelnde öffentliche Wertschätzung der Lehrkräfte und ‘Verrohung’ (s. die dbb-Bürgerbefragung von 2019); die zu hohe Arbeitsbelastung aller Lehrkräfte, besonders aber der Gymnasiallehrkräfte (s. Mußmann-Studie 2018); die mangelnde Abstimmung für vergleichbarere Schulabschlüsse auf höherem Niveau; der aktuelle und zukünftige Lehrkräftemangel, zurzeit vor allem im Grund- sowie Berufs- und Förderschulbereich, und das daraus folgende Problem der anspruchsvollen Nachqualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern, die MINT-Mangelfachsituation an den Gymnasien und weiterführenden Schulen sowie eine politisch verordnete, aber strukturell und gesellschaftlich nicht hinreichend unterstützte Inklusion u.v.a.m.

Dass auch Berlin, Brandenburg und Sachsen einen Lehrkräftemangel an Grundschulen beklagen, zeigt: Für den derzeitigen Lehrkräftemangel an Grundschulen ist nicht die Eingangsbesoldung nach A 12 ursächlich, sondern die vorangegangene zu geringe Zahl an Studienplätzen sowie die Verlängerung der Studiendauer des Grundschullehramtes in den Ländern, die auf Bachelor/Master umgestellt haben. Dies führt im Übrigen nicht automatisch zu einer höheren Eingangsbesoldung (s. H.A. Wolff, S. 33ff). Und auch Berufs- und Förderschullehrkräfte fehlen trotz Eingangsbesoldung nach A 13.

In Bezug auf die Eingangsbesoldung der Lehrämter besteht der Deutsche Philologenverband nach wie vor aufgrund der inhaltlichen und formalen Unterschiede sowohl in der Ausbildung als auch in der Ausübung der Ämter auf einer höheren Eingangsbesoldung der Gymnasiallehrkräfte. Die Besoldungseinstufung der Lehrkräfte an Gymnasien und berufsbildenden Schulen ist seit Jahrzehnten unverändert, wohingegen Lehrkräfte anderer Schulformen sukzessive besoldungsmäßige Höhergruppierungen durchlaufen haben. Hingegen sind Lehrkräfte an Gymnasien und Berufsschulen von strukturellen Verbesserungen ihrer Besoldung ausgeschlossen geblieben, Regelbeförderungen wurden abgeschafft, Beförderungsstellen nicht besetzt beziehungsweise in andere Bereiche gegeben. Für strukturell höhere und mehr Beförderungsämter spricht sich der DPhV jedoch nachdrücklich für alle Lehrämter aus!

Das Gebot der Stunde kann aus Sicht des DPhV – angesichts der Föderalismusreform von 2006 – für die KMK nicht darin bestehen, nun ein gemeinsames Für oder Gegen A 13 für das Eingangsamt im Grundschullehramt zu formulieren. Das Gebot der Stunde ist es vielmehr, die mittel- und langfristigen Probleme im Bildungsbereich endlich vorausschauender und besser in den Griff zu bekommen. Das gelingt mit der jetzigen Konstruktion der KMK offensichtlich nicht. Deshalb fordert der DPhV: Keine nur einjährige Amtszeit eines Präsidenten oder einer Präsidentin der KMK mehr, sondern mindestens eine dreijährige! Keine amtierenden KMK-Präsidenten mehr im Nebenamt, sondern erfahrene KMK-Präsidenten oder KMK-Präsidentinnen im Hauptamt! Die Zeit läuft!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre
Susanne Lin-Klitzing

Anzeigen

Anzeigen