Auf ein Wort

… und das Arbeitsprogramm für dieses Jahr ist tatsächlich abgearbeitet?

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

das habe ich mich nach Verkündung der Ergebnisse der letzten Kultusministerkonferenz in diesem Jahr gefragt und bin zu einem ‘Nein’ als Antwort gekommen. Das muss besser werden, soll die Wahrnehmung des Bildungsföderalismus’ in der Öffentlichkeit nicht auf dem Tiefstand bleiben, auf dem sie zur Zeit ist!

Mindestens diese drei großen Themenpakete
waren bildungspolitisch in diesem Jahr besonders relevant und ihre – zumindest nach außen hin sichtbare – Bearbeitung erfolgte nicht zufriedenstellend:

• Mehr Vergleichbarkeit des Abiturs auf höherem Niveau

• Nationaler Bildungsrat

• Lehrkräftemangel und die daraus resultierende adäquate Nachqualifikation der Quer- und Seiteneinsteigenden

Zur Vergleichbarkeit des Abiturs auf höherem Niveau

Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Hochschulzulassung Medizin hatte befunden, dass hier zukünftig 30: 60: 10 gilt: dreißig Prozent Zulassung nach Abiturbestenquote, sechzig Prozent Auswahlverfahren der Hochschulen, in denen die Abiturnote einen maßgeblichen Faktor neben einem bzw. zwei weiteren Faktoren darstellt, zehn Prozent Zulassung auch ohne Abitur.

Die dreißig Prozent Abiturbestenquote konnten wir unter anderem als einen Erfolg für uns verbuchen. Für die Wahrnehmung der Abiturnote weiterhin als maßgeblichem Faktor bei den sechzig Prozent Auswahlverfahren der Hochschulen im zulassungsbeschränkten Fach Medizin trete ich landauf, landab in den Gesprächen mit unseren Kultus- und Wissenschaftsministern ein. Dafür ist unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit mehr Vergleichbarkeit auf höherem Niveau zwischen den Abituren der Länder hilfreich und nötig.

Kultusministerin Eisenmann aus Baden-Württemberg hatte nach den zum Teil haltlosen Forderungen zur Steigerung des Notenschnittes im diesjährigen Matheabitur ein Bundeszentralabitur gefordert. Dem war der Deutsche Philologenverband unter anderem in seinen ‘Mondays for Matura’-Presseerklärungen deutlich entgegengetreten, genauso wie die Mehrzahl der Kultusminister. Gleichwohl hatten wir aber sehr konkrete Maßnahmen für eine notwendige höhere Vergleichbarkeit des Abiturs gefordert: Hier ist bisher noch kein Ergebnis durch die KMK verlautbart worden, weder was den Abiturprüfungspool, noch was die Einbringungsverpflichtungen aus der gymnasialen Oberstufe anbelangt. Nichts! Aber auch gar nichts in diesem Jahr dazu!

Nationaler Bildungsrat

Dass der Nationale Bildungsrat qua Expertise besser als die KMK über eine höhere Vergleichbarkeit der Abiture befinden könne – das war und ist eine Illusion. Rein wissenschaftlich kann nun wenig bis nichts darüber gesagt werden, ob es besser ist, vier oder fünf Abiturprüfungsfächer, 32 oder 40 Kurse aus der Oberstufe einzubringen, 240 oder 300 Minuten für die Bearbeitung einer Abiturprüfungsklausur vorzusehen. Das war und ist ein falscher Aufgabenzuschnitt. Das sind bildungspolitisch zu begründende Entscheidungen. Das ist Sache der KMK. – Dass aber ein wissenschaftlicher Beirat ein wichtiges beratendes Gremium für die KMK sein kann, zum Beispiel auch für die Frage, welche Ziele sich Deutschland bei der Digitalisierung, nicht nur im schulischen Bildungsbereich setzt – das ist sofort einsichtig. Außer der Information, dass es nun einen wissenschaftlichen Beirat statt eines Nationalen Bildungsrates geben wird, wissen wir auch nach der letzten KMK-Sitzung erschreckend wenig: Konzeption? Zusammensetzung? Genaue Funktion? Das ist nicht genug.

Zum Lehrkräftemangel und der daraus resultierenden, adäquaten Nachqualifikation der Quer- und Seiteneinsteiger

In der Kultusministerkonferenz wurden keine gemeinsamen Standards für eine adäquate akademische und pädagogische Nachqualifikation der Quer- und Seiteneinsteigenden in das Lehramt festgelegt. Austausch? Gemeinsame Maßstäbe? Vereinbarungen? Nein. Nichts. Unglaublich.

Als Ergebnis der jetzigen Dezembersitzung der KMK wurde eine aktualisierte Prognose bis 2030 zum Lehrkräftebedarf vorgestellt. Immerhin sind nun Daten da. Erwarten würde ich aber einen zielorientierten Umgang mit den Daten: Welche bestmöglichen Lösungen entwickeln die Länder in der KMK für bzw. gegen das Problem Lehrkräftemangel? Welche Maßnahmen sollten bevorzugt umgesetzt werden? Wie wird zukünftig der ‘Schweinezyklus’ vermieden? Davon war nicht die Rede. Nichts Diesbezügliches. Unglaublich.

Eine Reform ist nötig: Eine Strukturreform der KMK. Ein Aufbruch. Das ist mein bleibender bildungspolitischer Weihnachtswunsch an die KMK.

Für Sie, liebe Kollegen und Kolleginnen, verbleibe ich mit Dank für Ihre Treue und Ihren Einsatz in diesem Jahr – für Ihre Schülerinnen und Schüler, für die gymnasiale Bildung, für Ihren Einsatz in Ihrem Kollegium und für unseren Verband!

Mögen Ihnen die weihnachtliche Stille und die damit verbundene Reflexionszeit wohl tun!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre
Susanne Lin-Klitzing

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