Auf ein Wort

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Auf ein Wort2018-10-31T11:35:11+00:00
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PROFIL, das Mitgliedermagazin des Deutschen Philologenverbandes, erscheint zehnmal jährlich in einer IVW-geprüften Auflage von mehr als 54.000 Exemplaren pro Ausgabe im gesamten Bundesgebiet.

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Auf ein Wort

70 Jahre Grundgesetz – 115 Jahre Deutscher Philologenverband

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

beide Jubiläen in diesem Jahr sind für uns ein Grund zur Freude:

Unser Grundgesetz ist 70 geworden! 1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wird die Bundesrepublik Deutschland im Grundgesetz mit den Artikeln 20 und 33 als ein demokratischer und sozialer Bundesstaat (Art. 20) beschrieben und die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben als ‘Sache der Länder’ (Art. 33) festgelegt: die Grundlage unseres demokratischen, sozialen und föderalistischen Staates!

Menschenwürde, Freiheit und Bildung spielen darin eine entscheidende Rolle, für die wir damals wie heute engagiert eintreten, sie im Alltag leben und im Großen wie im Kleinen auch immer wieder neu verteidigen müssen, wie gerade jüngst auch von allen Lehrergewerkschaften und Kultusministern der Länder bei der Ablehnung von AfD-Meldeportalen für Lehrkräfte gezeigt!

In den Artikeln 6 und 7 werden den Eltern die Pflege und Erziehung ihrer Kinder sowohl als natürliches Recht wie auch als die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht zugeschrieben (Art. 6) und das gesamte Schulwesen unter die Aufsicht des Staates gestellt (Art. 7), für die im föderalistischen Deutschland jedes einzelne Bundesland zuständig ist. Familie und Staat wirken bei der Erziehung und Bildung der nachfolgenden Generationen in der Schule zusammen. Deutschland hat bereits in der Weimarer Zeit – im Unterschied zu vielen anderen Ländern – die Schul- und nicht nur die Unterrichtspflicht eingeführt, für deren Ausübung Lehrkräfte als Beamte tätig sein sollten und nicht streiken dürfen: eine der grundsätzlichen Überzeugungen des Philologenverbandes, die das Bundesverfassungsgericht erfreulicherweise in diesem Jahr aufgrund einer Klage von GEW-Mitgliedern dagegen erneut bestätigt hat!

Gerade ein Jahr zuvor, 1947, hatte sich der Deutsche Philologenverband, ursprünglich am 6. Oktober 1903 in Halle an der Saale gegründet, nach seiner Auflösung im Jahr 1936 erneut gegründet. Der Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers attestiert dem Deutschen Philologenverband im WDR-Zeitzeichen vom 6. Oktober 2018 zum 115. Geburtstag ein großes Beharrungsvermögen, der gute Bildung im Blick habe und eine schlagkräftige Gewerkschaft sei. Die Philologen seien strikt gegen die Einheitsschule, das Gymnasium fest in der deutschen Kultur verankert und die Brücke zur Universität. Und in der Tat ist unsere Schulart Gymnasium allen Widrigkeiten zum Trotz die erfolgreichste weiterführende Schulart in allen Bundesländern – und auch die einzige, die ausnahmslos in jedem Bundesland existiert. Die Griechischlehrerin Christiane Schulz mahnt in PISA-Zeiten im WDR-Zeitzeichen an: »Künste, Musik, Literatur: Wenn wir das den Kindern nicht in die Butterbrotdose packen in der Schulzeit, dann fehlt ihnen später etwas.« »Qualität und Vertrauen in das Abitur, das muss immer wieder neu errungen werden«, so der DPhV-Ehrenvorsitzende Heinz Durner im WDR-Zeitzeichen und der Schweizer Erziehungswissenschaftler Oelkers
unterstützt, »damit man nicht ein Deutschabitur bekommt und hat nur drei Bücher gelesen. Das geht natürlich auf gar keinen Fall!« Dem schließen wir uns im gymnasialen Bildungsinteresse gerne mit ganzer philologischer Überzeugung an! Auf die nächsten erfolgreichen 115 Jahre!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Susanne Lin-Klitzing

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