Auf ein Wort

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Auf ein Wort 2017-09-12T14:12:05+00:00
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PROFIL, das Mitgliedermagazin des Deutschen Philologenverbandes, erscheint zehnmal jährlich in einer IVW-geprüften Auflage von mehr als 54.000 Exemplaren pro Ausgabe im gesamten Bundesgebiet.

Gute Gründe für Profil

Auf ein Wort

Wieviel arbeiten wir eigentlich?

Heinz-Peter Meidinger

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich hoffe, Sie haben erholsame Sommerferien hinter sich, auch wenn wahrscheinlich nicht wenige von Ihnen nach den ersten anstrengenden Wochen schon wieder das Gefühl haben, urlaubsreif zu sein.

Gerade erfahrene Gymnasiallehrkräfte, die schon lange im Beruf stehen, berichten uns immer häufiger davon, dass die Arbeitsbelastung in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, mehr Bürokratie, schwierigere Schüler, ständig neue Zusatzaufgaben wie Erstellung von Förderplänen und ähnliches mehr. Ich darf Sie in diesem Zusammenhang auf den interessanten Beitrag in diesem Profil-Heft zur physischen Gesundheit von Gymnasiallehrkräften im Schulartenvergleich hinweisen.

Gleichzeitig gehören die Lehrkräfte insbesondere an Gymnasien zu einer der ganz wenigen Berufsgruppen, die von den Arbeitszeitverkürzungen, die in den letzten vierzig Jahren im Tarifbereich umgesetzt worden sind, kaum oder gar nicht profitiert haben. Im Gegenteil: In manchen Bundesländern haben wir heute höhere Stundendeputate bzw. Unterrichtsverpflichtungen als 1980.

Gleichzeitig weigert sich die Kultusministerkonferenz trotz jahrzehntelanger Forderung des Philologenverbands eine deutschlandweite Untersuchung der Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften durchzuführen.

Für einzelne Länder gibt es zwar Studien, die aber alle mit Ausnahme Niedersachsens bereits viele Jahre zurückliegen.

In der Öffentlichkeit dagegen hält sich hartnäckig das Vorurteil vom ‘Halbtagsjobber Lehrer’, das bei Gelegenheit auch gerne von dem ein oder anderen Politiker bemüht wird.

Leider wird auch von anderen Lehrerverbänden, die vor allem Grundschullehrkräfte vertreten, immer wieder einmal öffentlich der Eindruck erweckt, das um einige wenige Stunden geringere Stundendeputat von Gymnasiallehrern bedeute auch eine geringere Gesamtarbeitszeit.

Der Bundesvorstand des DPhV hat sich deshalb vor einiger Zeit dazu entschlossen, nicht weiter auf die Politik zu warten, sondern das Mammutprojekt einer bundesweiten Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie selbst in Angriff zu nehmen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rostock und der TU Dresden sowie mit Unterstützung der DAK wurde dazu ein Fragebogen entwickelt, der nicht nur die zeitliche und psychische Belastung im Fokus hat, sondern die Lehrergesundheit insgesamt. Daneben wird es auch ein über mehrere Wochen laufendes Arbeitszeitprotokoll geben.

Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten als DPhV und über unsere Landesverbände intensiv über diese im Zeitraum von Januar bis März 2018 durchzuführende Studie berichten und zur Teilnahme motivieren. Denn eines ist klar: Um wissenschaftlich valide Ergebnisse zu erhalten, brauchen wir eine Beteiligung von am besten zehn, mindestens aber fünf Prozent aller Gymnasiallehrkräfte, das sind bei rund 170.000 Lehrerinnen und Lehrern 8.500 bis 17.000 ausgefüllte Fragebögen und Arbeitszeitprotokolle. Es wird bei entsprechender Beteiligung auch eine bundeslandspezifische Auswertung geben.

Ziel ist es, eine verlässliche Datengrundlage zu bekommen, um auf Grundlage der Ergebnisse klare Forderungen an die Politik bezüglich der Belastungssituation für Lehrkräfte an Gymnasien stellen zu können.

Der Deutsche Philologenverband, der einzige Lehrerverband, der sich nachhaltig für die Interessen der Lehrkräfte an Gymnasien einsetzt, wird für diese Untersuchung nicht unerhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Damit sie aber erfolgreich durchgeführt werden kann, brauchen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihre Mithilfe.

In den nächsten Wochen und Monaten werden wir hier in Profil, aber auch über die Landeszeitschriften und durch Flyer und Plakate genauer über die Einzelheiten der Durchführung informieren.

Helfen Sie mit, dass die Studie repräsentative Ergebnisse erbringt, beteiligen Sie sich, es geht um Ihre Arbeitsbelastung, es geht um Ihre Gesundheit!

Mit kollegialen Grüßen

Ihr Heinz-Peter Meidinger

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